Welcher Zeitraum mit "wie lange nicht mehr" gemeint ist, bleibt unklar - der meiner Jugend dürfte es nicht sein. Auch die genauen Verhältnisse von 2015 als Vergleichsgröße bleiben unklar. Die genannte Erwerbsquote wird aber stimmen und ist beeidruckend. Das Medienecho allerdings reflektiert, ebenso wie die Meldung des IAB einschließlich Interview auf n-tv.de, dass damit ein vorherrschendes Klischee der Generation Z, nämlich ihre Arbeitsabneigung ("...viel fordert, aber wenig arbeitet..."), widerlegt sei.
Nein, ist es nicht! Vorsicht ist geboten!
Von Arbeitsabneigung war und ist in der fachlichen Diskussion um die Generation Z nämlich selten die Rede! Es gibt kein gängiges Klischee oder keinen allgemeinen Glauben, gemäß welchem die Generation Z am liebsten nicht oder höchst ungern arbeite (wie in der Meldung des IAB aber behauptet wird, so viel Kritik darf sein). Nichts dergleichen ist mir bekannt. Die meisten Diskussionen und Studien drehen sich darum, unter welchen Bedingungen die Generation Z am liebsten arbeiten möchte und vielleicht noch, was sie unter Arbeit versteht. Fleiß an sich ist keine klar definierte Größe. Das ist ein gewaltiger Unterschied zur grundsätzlichen Aversion gegen Arbeit!
Gen-Z, Äpfel mit Birnen verglichen
Das genannte Klischee ist also eher populistisch, zumal weder Fleiß noch die Art des Arbeitens definiert werden. Offensichtlich populistische Klischees heranzuziehen, ist gefährlich, weil man dadurch falsche Eindrücke wiederholt, doch eignen sie sich zur Zuspitzung gut - das Klischee muss allerdings plausibel widerlegt werden. Ist es das hier?
Davon abgesehen, dass ich schon lange für eine differenzierte Sicht auf die Generation Z plädiere, werden jedenfalls in den Ankündigungen und Zusammenfassungen der Studie mal wieder Äpfel mit Birnen verglichen. Mindestens unklar bleibt für mich in der Statistik nämlich die Eingliederung des Dualen Studiums, welches systemimmanent eine 100%ige Erwerbsquote dieser Studierenden (je nach Interpretation in Teilzeit) mit sich bringt. Da es immer mehr Duale Studierende gibt, dürfte sich die Erwebsquote der Studierenden automatisch erhöhen.
Als Hochschuldozent sage ich: Ja, die Generation Z mag eher viel als wenig fordern, aber sie ist durchaus bereit, viel zu geben - und das ist kein neuer Trend. Ich habe zu alldem bereits eine Bestandsaufnahme in einem meiner Bücher geschrieben, diese wiederhole ich hier nicht.
Es ist jedenfalls falsch, von der vermeintlichen oder tatsächlichen Vielwilligkeit der Generation Z auf eine grundsätzliche Ablehnung des Arbeitens zu schließen.
Zwar werden die Arbeitsverhältnisse im Bericht des IAB weiter differenziert, doch wie es in den statistisch angeführten Arbeitsverhältnissen tatsächlich aussieht, bleibt für mich völlig im Dunkeln. So kann ein Vertragsverhältnis sehr wohl auf eine Viertagewoche hinauslaufen, und formell doch als Vollzeitbeschäftigung ausgelegt sein. Dass viele Gen-Zler neben dem Studium arbeiten, lässt sich immerhin mit dem Vormarsch des Dualen Studiums plausibel erklären – hätte dann aber mit besonderem Fleiß neben dem Studium nichts zu tun, sondern schlicht mit der Natur des Dualen Studiums: ohne Arbeitsplatz kein Duales Studium.
Zudem gilt auch hier, dass über die Erwartungshaltung der Gen-Zler an die Praxispartner, bei denen sie arbeiten, in der Studie nichts gesagt wird. Arbeiten sie im Büro, zuhause oder hybrid? Sind die Hierarchien dort flach oder nicht? Können sich die Gen-Zler so einbringen, wie sie es vermutlich möchten? Der angebliche neueste Trend des Taskmaskings, also des Vortäuschens von Arbeit, wäre der vorläufige negative Höhepunkt. Man könnte die Liste fast beliebig verlängern. Meine Einblicke aus meiner Hochschuldozentur jedenfalls zeigen ein sehr buntes Bild.
Die aktuelle Untersuchung spiegelt in erster Linie Erwerbsquoten, und deshalb gehen die Kernaussage des IAB und das Medienecho am Thema vorbei. Das hilft leider weder der Generation Z noch den Arbeitgebern, einander besser zu verstehen. Man möchte mehr Sorgfalt und Genauigkeit im Denken und Kommunizieren anmahnen.