Statistisch erwägt pro Jahr im Schnitt jeder dritte Deutsche, den Arbeitgeber zu wechseln. Doch was sind Kriterien, anhand derer Sie einschätzen können, ob sich ein Wechsel lohnt?
Das Gras ist nicht immer auf der anderen Seite grüner – manchmal aber doch. Die stärksten Wechselmotive deutscher Arbeitnehmer sind mit schöner Regelmäßigkeit (etwa laut Gallup-Umfragen) die Wünsche nach persönlicher Weiterentwicklung, anderen oder interessanteren Aufgaben und nach mehr Gehalt. Den Chancen beim Sprung zu einem anderen Arbeitgeber stehen freilich auch Risiken gegenüber. Deshalb gilt es, jeden Einzelfall genau abzuwägen. Es gilt, Optionen zu erarbeiten und zu bewerten und die beschlossenen Wege dann auch zu beschreiten. Hier ein paar wichtige Entscheidungshilfen:
- Muss ich aktiv gehen, eigeninitiativ erste Schritte hin zu einer neuen Chance unternehmen: Vielleicht spüren Sie bereits offenkundig oder instinktiv, dass Ihre Zeit im Unternehmen abläuft. Wichtige Aufgabe oder Kunden werden von ihnen abgezogen, relevante Informationen erreichen Sie nicht mehr, dies und ähnliches sind ernste Warnzeichen. Vielleicht befindet sich Ihr Arbeitgeber auch in einer schwierigen Situation und wird in nächster Zeit Kosten und Personal sparen müssen, sich anders aufstellen oder von einem anderen Unternehmen übernommen. Steht Ihnen ein Vorgesetztenwechsel bevor oder wird Ihnen intern eine neue Stelle angeboten? Lassen Sie sich von externem Druck nicht verunsichern, doch nehmen Sie das Heft in die Hand, so lange sie es noch können. Das verschafft eine ungemeine Souveränität.
- Mache ich einen sinnvollen Karriereschritt: Verbessern Sie sich mit dem Wechsel zu einem anderen Unternehmen? Sie sollten so viele Informationen wie möglich sammeln, um Ihren potenziellen neuen Arbeitgeber einschätzen zu können, eine möglichst realistische Zukunftsprognose inklusive. Auch eine neue Position, ein größeres Aufgaben- und Verantwortungsgebiet oder auch nur eine bessere Stellenbezeichnung im Hinblick auf ihre weiteren Ziele sind Faktoren.
- Passe ich in die Unternehmenskultur: Es wird leicht übersehen, dass jedes Unternehmen eine eigene, gewachsene Kultur und Atmosphäre hat. Auch wenn die mehr oder minder nüchternen Fakten für einen Jobwechsel sprechen, Sie müssen im neuen Unternehmen vor allem mit den dortigen Menschen arbeiten, zurecht kommen, sich verstehen. Gerade Mittelständler sind sehr pragmatisch, wenn ein neuer Mitarbeiter nicht ins Unternehmen passt, und nutzen die Möglichkeiten der Probezeit aus. Dabei legen Sie die Nichtpassung weit aus, wem beispielsweise die oft erforderliche hohen Eigeninitiative bei der Einarbeitung nicht liegt, wird nicht lange bleiben können.
- Verbessere ich mich in den für mich wichtigen Dimensionen: Natürlich mag ein Jobwechsel die Chance auf ein höheres Einkommen bieten. Vielleicht stellen Sie aber bei genauer Analyse Ihrer persönlichen Situation fest, dass Sie verschiedene Bedürfnisse an Ihren Arbeitgeber und Arbeitsplatz haben, die für Sie eine individuelle Gewichtung haben. Das kann sowohl die reinen Arbeitsbedingungen als auch Ihre persönlichen Umstände betreffen. Müssen Sie vielleicht in ein Großraumbüro wechseln, wo Sie sich schlechter auf Ihre Aufgabe konzentrieren können und sich beobachtet und abgehört fühlen? Müssen Sie umziehen oder pendeln, wieder in ein neues Umfeld, Ihre Familie mitnehmen oder nur noch am Wochenende sehen?
Schon diese wenigen Hilfen machen klar, dass ein Stellenwechsel wohl überlegt sein möchte, wenn man das Heft selbst in der Hand hat und keinen externen Druck erfährt.